Grundprinzip der Funkausbreitung bei 868 MHz

Die Frequenz 868 MHz liegt im UHF‑Bereich (Ultra High Frequency). Die Wellenlänge beträgt etwa 34,5 cm – kurz genug für kompakte Antennen und gleichzeitig stabil genug für zuverlässige Ausbreitung über mittlere Distanzen.

Die Funkausbreitung erfolgt hauptsächlich über:

  • Direkte Sichtverbindung (Line‑of‑Sight)
  • Reflexionen an Gebäuden, Boden oder Vegetation
  • Beugung an Kanten und Hindernissen
  • Streuung durch Objekte und Unebenheiten

Wichtige Einflussfaktoren

Die folgende Tabelle zeigt, welche Faktoren die Reichweite und Signalqualität beeinflussen:

Einflussfaktor Wirkung auf das Signal Beispiel
Sichtverbindung (LOS) Beste Reichweite, geringster Verlust Freies Feld, von Hügel zu Hügel
Hindernisse (Gebäude, Bäume) Dämpfung durch Absorption und Streuung Wald, Stadtgebiet
Bodenbeschaffenheit Beeinflusst Reflexion und Beugung Asphalt reflektiert stärker als Gras
Feuchtigkeit / Regen Erhöht Dämpfung leicht Nebel, Regen
Polarisation Falsche Ausrichtung reduziert Empfang Vertikal ↔ Horizontal
Sendeleistung Höhere Leistung = größere Reichweite 14 dBm vs. 20 dBm
Empfängerempfindlichkeit Bestimmt, wie schwache Signale noch erkannt werden Nicht alle LoRa Module haben gleich empfindliche Empfänger
Umgebung (urban vs. rural) Stadt: mehr Dämpfung, Land: größere Reichweite Stadtgebiet vs. ländliche Umgebung

Typische Reichweiten

Umgebung Reichweite (ungefähr) Bemerkung
Freies Feld 5–15 km Optimale Bedingungen, hohe Antenne
Ländlich mit leichter Bebauung 2–5 km Gute Sichtlinie, wenige Hindernisse
Stadtgebiet 0,5–2 km Viele Reflexionen, starke Dämpfung
Gebäude‑Innenbereich 50–300 m Abhängig von Wänden und Materialien

Typische Durchdringungsverluste bei 868 MHz

Die folgende Tabelle zeigt, wie stark verschiedene Baumaterialien ein 868‑MHz‑Signal dämpfen. Die Werte stammen aus Messreihen im 800–900‑MHz‑Bereich und sind direkt übertragbar.

Material Dicke Verlust bei ~868–900 MHz
Gipskartonwand ~12 cm 3–5 dB
Ziegelmauerwerk ~24 cm 10–12 dB
Betonwand ~30 cm 17–20 dB
Stahlbeton ~20 cm 20–25 dB
Holz / Leichtbau dünn–mittel ≈ 0 dB

Interpretation der Werte

Gipskarton 

  • Sehr geringe Dämpfung
  • LoRa/868 MHz geht problemlos durch mehrere Innenwände
  • Ideal für Indoor‑Repeater

Holz

  • Fast keine Dämpfung
  • Holzbauweise ist funktechnisch „offen“
  • Verluste entstehen eher durch Möbel oder Feuchtigkeit

Ziegel 

  • Spürbare Dämpfung
  • Eine massive Wand kann das Signal bis zu 90% verringern
  • In Altbauten oft stärker als in modernen Poroton‑Wänden

Beton

  • Sehr starke Dämpfung
  • Besonders kritisch bei Keller‑ oder tragenden Innenwänden
  • LoRa kommt durch, aber mit sehr stark reduzierter Reichweite

Stahlbeton

  • Extrem hohe Dämpfung
  • Bewehrungsstahl wirkt wie ein Gitter → zusätzliche Abschirmung
  • Repeater sollten nicht hinter Stahlbeton platziert werden

Was bedeuten diese dB‑Werte praktisch?

  • 3 dB Verlust → Signal halbiert
  • 10 dB Verlust → Signal auf 1/10 reduziert
  • 20 dB Verlust → Signal auf 1/100 reduziert

Eine einzige Stahlbetonwand kann mehr dämpfen als fünf Gipskartonwände zusammen.

Warum unterscheiden sich die Materialien so stark?

Die Dämpfung hängt ab von:

  • Leitfähigkeit (Stahlbeton > Beton > Ziegel > Holz)
  • Permittivität (je höher, desto mehr Energie wird absorbiert)
  • Materialdicke
  • Feuchtigkeit (nasser Beton dämpft stärker)
  • Metallanteilen (Bewehrung, Armierung, Folien)

Vergleich der Funkausbreitung: 144 MHz, 433 MHz und 868 MHz

Die drei Frequenzbereiche unterscheiden sich deutlich in Reichweite, Gebäudedurchdringung und Verhalten bei Hindernissen. Grundsätzlich gilt: Je niedriger die Frequenz, desto besser die Ausbreitung und Durchdringung – je höher die Frequenz, desto kompakter die Antennen, aber desto stärker die Dämpfung.

Wellenlängenvergleich

Frequenz Wellenlänge Bedeutung
144 MHz ~2,0 m Sehr gute Reichweite, starke Beugung
433 MHz ~70 cm Gute Reichweite, gute Gebäudedurchdringung
868 MHz ~34,5 cm Kürzere Reichweite, höhere Dämpfung

Reichweite & Ausbreitung

Frequenz Typische Reichweite Verhalten
144 MHz 10–100 km Hervorragende Weitbereichsausbreitung, starke Beugung über Hügel
433 MHz 2–20 km Sehr guter Kompromiss aus Reichweite und Gebäudedurchdringung
868 MHz 0,5–15 km Kürzere Reichweite, stärker abhängig von Sichtlinie

Gebäudedurchdringung

Material 144 MHz 433 MHz 868 MHz
Holz sehr gut sehr gut gut
Gipskarton sehr gut gut mittel
Ziegel gut mittel schlecht
Beton mittel schlecht sehr schlecht
Stahlbeton schlecht sehr schlecht extrem schlecht

Verhalten bei Hindernissen

Eigenschaft 144 MHz 433 MHz 868 MHz
Beugung sehr stark stark schwach
Reflexion gering mittel hoch
Streuung gering mittel hoch
Dämpfung durch Vegetation gering mittel hoch

Typische Einsatzgebiete

Frequenz Typische Nutzung
144 MHz Amateurfunk (2‑m‑Band), BOS, Weitverkehr
433 MHz Sensoren, Fernbedienungen, Amateurfunk (70 cm), Telemetrie
868 MHz LoRa, MeshCore, Smart‑Home, IoT

Kurzfazit

144 MHz: Beste Reichweite und Gebäudedurchdringung, aber große Antennen.

433 MHz: Sehr guter Kompromiss aus Reichweite und Dämpfung, ideal für Sensoren und Amateurfunk.

868 MHz: Kürzeste Reichweite und stärkste Dämpfung, aber kleinste Antennen – ideal für LoRa, MeshCore und IoT.