Aurora und ihre Auswirkungen auf den Amateurfunk

Polarlichter – auch Aurora Borealis (Nordlicht) bzw. Aurora Australis (Südlicht) genannt – sind nicht nur ein faszinierendes Naturphänomen, sondern haben auch spürbare Auswirkungen auf den Funkverkehr. Besonders Funkamateure erleben bei starker Aurora sowohl massive Störungen als auch ungewöhnliche Ausbreitungsbedingungen. Dieser Beitrag erklärt die Ursachen der Aurora und ihre Effekte auf verschiedene Amateurfunkbänder und Betriebsarten.

Wie entsteht Aurora?

Die Ursache der Aurora liegt in der Sonnenaktivität. Entscheidende Faktoren für eine aktive Sonne sind dabei:

  • hohe Zahl an Sonnenflecken (aktive Regionen auf der Sonne)

  • Sonneneruptionen (Solar Flares)

  • Koronale Massenauswürfe (CMEs)

  • ein Kp-Index ≥ 5

Bei starken Eruptionen schleudert die Sonne große Mengen hochenergetischer geladener Teilchen (Elektronen und Protonen) ins All. Treffen diese Teilchen auf das Erdmagnetfeld, werden sie entlang der Magnetfeldlinien in Richtung der Polarregionen gelenkt.

Dort kollidieren sie mit Atomen und Molekülen der oberen Atmosphäre (vor allem Sauerstoff und Stickstoff). Diese werden durch die  Energie der Teilchen angeregt und senden beim Zurückfallen in ihren Grundzustand Licht aus – das Polarlicht entsteht. Gleichzeitig wird der Zustand der Ionosphäre stark verändert, was direkte Auswirkungen auf die Funkausbreitung hat.


Auswirkungen auf die Kurzwellenbänder (HF)

Die negativen Effekte von Polarlichten überwiegen leider deutlich. Aurora ist für klassischen HF-DX-Betrieb meist sehr ungünstig. Während starker Aurora kommt es auf der Kurzwelle häufig zu starker Dämpfung:

  • Die D-Schicht-Absorption nimmt stark zu
  • Besonders betroffen sind die Bänder 160 m; 80 m; 40 m
  • Unterhalb von ca. 10 MHz sind  somit die Bänder oft nahezu „tot“
  • Darüber hinaus  sinkt die MUF (Maximum Usable Frequency) und die höheren Bänder  wie 20 m, 15 m und 10 m brechen ein.
  • Weitreichende DX-Verbindungen sind dann kaum noch kaum möglich

Typische Symptome für ein vorherrschendes Aurora sind

  • starkes QSB
  • Verzerrte Signale
  • Plötzliche Totalausfälle

Auswirkungen auf VHF- und UHF-Bänder

Hier zeigt Aurora ihre spannende Seite für Funkamateure. So spannende Experimente wie Aurora Scatter werden möglich.   Dabei entstehen in den Polarregionen stark ionisierte „Vorhänge“, an denen VHF- und UHF-Signale gestreut werden können.

Dieser Effekt ist vor allem auf den Bändern 6 m, 2 m und 70 cm zu beobachten, wobei Reichweiten von 1000–2000 km möglich sind. Die Antennen müssen dazu in der Regel nach Norden ausgerichtet werden, damit die ausgesendeten Signale die Vorhänge, die die Polarlichter bilden erreichen. Die Signale klingen nach der Reflexion rau, verzerrt, oder bei FM auch knurrend. Aurora ermöglicht so DX-Verbindungen auf VHF/UHF, die sonst unmöglich wären. Viele Funkamateure betrachten Aurora-Betrieb als sportliche Herausforderung und echten Höhepunkt im VHF-Bereich. Besonders beliebt ist dabei die Betriebsart CW. Man muss aber Geduld mitbringen um die sich teilweise sehr schnell ändernden Effekte zu nutzen.

 Auswirkungen auf gängige Betriebsarten

Betriebsart Verhalten bei Aurora
SSB Auf HF stark gestört, auf VHF stark verzerrt
CW Oft besser nutzbar, sehr beliebt für Aurora
FM Auf VHF möglich, aber stark verzerrt
Digitale Modi (FT8, FT4) Teilweise erstaunlich robust
APRS HF schlecht, VHF teilweise nutzbar
LoRa / schmalbandige Digi-Modi Meist wenig betroffen

Schmalbandige und robuste Modulationsarten sind klar im Vorteil.

➡ Aurora ist kein Funk-Blackout, sondern eine Einladung zum Experimentieren

Beobachtungen während der Aurora vom 19. Januar 2026
auf den 20. Januar 2026.

Die Polarlichter waren sehr stark ausgeprägt und zum Teil in ganz Deutschland zu beobachten. Bei uns im Sauerland war sie sehr ausgeprägt, wie die nachfolgenden Fotos zeigen. Auf den oberen Bändern, 20m bis 10m  war auf den beobachteten FT8 Frequenzen so gut wie kein Signal zu beobachten. Auf 80m und 40m waren die Signale deutlich weniger wie an anderen Tagen. Die Signale waren auch schwächer als sonst. Auffallend war, dass auch stärkere FT8 Signale oft schlecht zu dekodieren waren.

Die nachfolgenden Bilder Zeigen Polarlichter, so wie sie von Eversberg aus zu beobachten waren.